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Geburtstag

Meine Gäste gingen im Regen nach Hause und während sie ihre Taschen in die Autos luden, ging ich wieder zurück um mich zu den Geschenken zu setzen.

Sechzehn. 16. 10 + 6.

Ich war jetzt bald erwachsen und das erschreckte mich. Mein Personalausweis gammelte sicher schon seit drei Wochen auf dem Amt, doch ich war zu faul ihn abzuholen. Außerdem war das Foto darauf wirklich schrecklich. Im Allgemeinen war ich nie besonders hübsch gewesen, immer pummelig, immer ein grässliches Lächeln auf den Lippen, mit dem ich den Rest der Welt in seinem Irrglauben ließ, ich wäre glücklich und führte ein erfülltes Leben bei meinen Großeltern auf dem Land. Ich hasste es hier.

Niemand, der mit mir am Wochenende in die Stadt ging und die neuen Bibliotheksbücher auslieh, keiner, der mich am Morgen fragte: „Wie viele Löffel Kakao willst du in deine Milch?“ und nur die Katzen wollten etwas von mir. Weder im Dorf noch in der Schule interessierte ich jemanden. Ich hasste die Schule. Ich hasste die Schüler und die Lehrer. In der Schule hieß ich für alle nur „Moby Dick“, wurde ausgelacht und gehänselt wegen meiner strähnigen Haare. Und nur weil ich nicht so ausgehungert aussah wie eine angefressene Gazelle galt ich als fett.

Erst ab meinem 15en Lebensjahr fiel ich einigen wenigen Jungen auf. Aber sie waren nicht nur blond, was ich zutiefst verabscheute, nein, sie hatten auch noch blaue Augen und waren so sportlich, dass man die Bauchmuskeln noch unter den Winterpullovern sehen konnte. Ich wollte nicht mit ihnen zusammen sein. Sie machten mir Angst – nein, ihre Größe machte mir Angst, das Bewusstsein, dass sie stärker waren als ich und sicher eines Tages ihre Stärke dazu benutzen würden um mir weh zu tun. Das war meine größte Sorge.

Nicht nur meine Mutter und meine Tante, auch meine Uroma hatte mich immer vor Männern gewarnt. Sie seien böse, gewalttätig und nur auf „das Eine“ aus. Wobei ich mit sechs noch nicht wusste, was „das Eine“ war. Sie machten mir schreckliche Angst vor dem Leben als fruchtbare junge Dame, wie mein Opa es nannte, und  deswegen hatte ich auch nie besonderen Wert auf die Gesellschaft von Jungen gelegt. Eigentlich waren sie mir sogar egal. Nur einer nicht.

Sein Name war Desiderius, er hatte langes schwarzes Haar und wundervolle karamellfarbenen Augen. Die blasse Haut stand im harten Kontrast zu seiner dunklen Kleidung, wenn man sich nicht vorher an ihn gewöhnte, könnte man glauben er hätte nicht mal ein Gesicht. Ich schauderte. Allein sein Name war göttlich. Schon immer wollte ich ihm sagen, was ich für ihn fühlte, dass ich von ihm träumte, Nacht für Nacht.

Nur war dies unmöglich. Denn Desiderius existierte nicht in dieser Welt. Oder besser und direkter gesagt: Er war ein Dämon, ein Wesen aus der Hölle, das ich mir irgendwann gegen mein sechstes Lebensjahr ausgedacht hatte. Es war absolut hoffnungslos, auf ihn zu warten. Es war absolut dumm, auf ihn zu warten. Trotzdem wartete ich auf ihn, bis zu diesem Tag.

Traurig sah ich aus dem Fenster, während ich gedankenlos meinen neuen Füllfederhalter in der Hand drehte. Ich hasste meinen Geburtstag.

15.11.06 19:34


Sorgen

Ich musste eingeschlafen sein, denn als ich erwachte, leuchteten draußen am Himmel die Sterne in vielen faszinierenden Blautönen. Blinzelnd tastete ich in der Dunkelheit nach dem Lichtschalter. Die Lampe glühte unerträglich hell, so dass ich beschloss doch lieber Kerzen anzuzünden. Im dämmrigen Licht starrte ich weiter aus dem Fenster. Noch war nicht Mitternacht, noch hatte ich Zeit und ich wusste, er würde kommen.

Als Ablenkung begann ich zum hundertsten Mal die Beschreibung des Herrschers über die Refugien in „Der mechanische Prinz“ zu lesen und auswendig zu lernen. Ich liebte das Buch und ich liebte den Autor, also versuchte ich einfach alles von ihm in die Hände zu bekommen.

Plötzlich erklang unten das schneidende Geräusch klirrenden Glases, ein Scheppern und lautes Fluchen. Mit Herzklopfen rannte ich die Treppe herunter, drei Stufen auf einmal nehmend. Was ich unten sah versetzte mich aber mehr in Entsetzen als in Freude. Mein Großvater lag bewegungslos in den Scherben unserer Glastür. Ich begann zu schreien, Mama und Oma, bereits von dem Krach vorher angelockt, stürmten herbei und kümmerten sich sofort um alles.

„Adelaide, ist alles in Ordnung? Gott, Kind, hör auf zu schreien!“ „Bring deine Tochter zum Schweigen!“

Aber ich konnte nicht aufhören. Lieber hätte ich geweint oder gelacht, aber ich konnte nur schreien. Der Anblick war grausam, er sah aus wie tot, die Augen weit aufgerissen, Blut an den Händen und mitten in den Scherben. . . Kalte Luft zog durch die Löcher in der Tür und mir wurde kalt, während mein Schreien zu einem trockenen Schluchzen verebbte.

Nachdem endlich der Krankenwagen kam, beruhigte man uns mit den Worten: „Er hat nur einen Schock, spätestens nächste Woche können sie ihn wieder abholen.“ Außerdem schien er zu viel getrunken zu haben, wie es schon mehrere Male vorkam.

Wieder in meinem Zimmer stellte ich fest, dass es bereits zwei Uhr war und mein Mut sank so schnell wie meine Verzweiflung stieg. Hatte ich mich etwas verschätzt? Sollte das Lügengebilde, das ich mir selbst gestrickt hatte, etwa zerfallen?

Resigniert sah ich nach unten auf den Hof, wo meine Katze hoch zum erhellten Fenster schaute. Sie sah so intelligent aus, wenn sie das tat, dabei war sie so dick, dass man sie über den Boden rollen konnte. Ich lächelte und legte mich ins Bett.

An meiner Decke formten sich Bilder, Drachen, Feuerwerk, Lichter. . .Desiderius Gesicht.

Ich konnte nichts anderes tun, als zu weinen.

27.11.06 19:38





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